Menü
Dienstag - 01.11.2011

Der gläserne Mensch ist ein Thema von gestern

Datenschutz-Experte Professor Dr. Gerhard Kongehl über den Bundestrojaner-Skandal und den gläsernen Menschen, der heute im Internet freiwillig mehr preis gibt, als er müsste und für ihn gut ist.

Überrascht es Sie, dass sich Datenschützer inzwischen nicht nur mit den Angriffen von Kriminellen, sondern auch von staatlicher Seite befassen müssen? 
GERHARD KONGEHL: Es gibt Fragestellungen, die sich erst durch den rasanten technischen Fortschritt ergeben haben. Zum Beispiel die Frage: Dürfen wir alles, was wir können? Diese Frage gilt auch für Regierungen und ihre Apparate und zwar nicht nur aus juristischer, sondern auch aus ethischer Sicht. Wir Datenschützer werden, weil wir das kritisch verfolgen, oftmals als Technikfeinde dargestellt. Letztlich geht es aber darum, den Bürger mit geltendem Recht zu schützen. Datenschutz will nichts verhindern, sondern sozialverträglich gestalten.

Der Skandal um den Bundestrojaner oder die Entwicklung des EU-Überwachungsprojekts „Indect“ erinnern durchaus an Orwell’sche Ideen. Greift Big Brother längst auf unsere Daten zu?
KONGEHL: Big Brother oder der gläserne Mensch sind Themen von gestern. Es geht längst darum, wie man den Menschen über Internet und Co beeinflussen kann. Der einstige Google-Chef Eric Schmidt sagte einmal, wir können vorhersagen, wie sich Menschen in ein paar Jahren in Situationen verhalten werden, von denen sie heute noch nicht einmal wissen. Vielleicht ist das eine Vision oder aber bereits eine Realität des Data-Minings. Sicher scheint: Die Datenpools der Menschen sind die Goldminen der Zukunft. Es geht anhand solcher Daten also darum, dass Verhalten der Menschen nicht nur zu beobachten, sondern auch zu steuern. Natürlich in erster Linie wegen wirtschaftlicher Interessen. ganzen Beitrag als .pdf lesen