Die Melancholie des Verfalls

Christoph Linggs Ausstellung „Stillgelegt“ bei ScanPlus

Ulm, 19. August 2008 - Christoph Lingg erntete zur Jahreswende mit seiner Ausstellung  „Stillgelegt – Industrieruinen im Osten“ im Wiener Leopold Museum ein einhelliges Presseecho. Die Neue Zürcher Zeitung stellte auf ihren Feuilletonseiten fest: „«stillgelegt»... dieses Wort bekommt in Linggs Fotografien tatsächlich die Dimension der letzten Ruhe“. Und die Frankfurter Allgemeine Zeitung befand: „Linggs Bilder sind Stilleben einer verwunschenen Moderne. Neben der Melancholie des Verfalls verströmen sie vor allem die Aura eines tiefen Märchenfrieden, bleiern und brüchig: Könnte nicht, was hier ruht, in einem Augenblick zu neuem Leben erwachen und im nächsten zu Staub zerfallen?“

Der 44-jährige Lingg ist reportierender Fotograf wie sensibler Künstler, der mit der Autorin Susanne Schaber bereits drei Bücher und Ausstellungen wie etwa „Den Sternen entlang – Drei Pilgerwege, drei Kontinente“ oder „Vergessener Völker Müdigkeiten“ realisierte. Er hat die Rituale der letzten Kafire festgehalten, die inzwischen ukrainische Stadt Czernowitz, einst Hauptstadt des Herzogtums Bukowina und ein Schmelztiegel der Völker und Sprachen, aus neuen Blickwinkeln betrachtet, und arbeitet derzeit an packenden Porträts der „Völker Asiens“.

Für seine Ausstellung „Stillgelegt“ fand der Wahl-Wiener einen spannenden Ansatz. Er befand, dass sich Werden, Sein und Vergehen an wenigen anderen Orten eindringlicher offenbaren als in stillgelegten Fabriken, Bergwerken oder Kokereien. In 14 Ländern hat Lingg eine Vielzahl von Industrieruinen aufgespürt: Bauten aus der Schwer-, Textil-, Chemie- und Ölindustrie, Zucker- und Fischfabriken, aber auch Ziegeleien und ehemalige Brauereien. Zeugen vergangener Zeit, dem Verfall preisgegeben.

Nun sind eben diese Fotografien, die im Wiener Museumsquartier ein solch großes Echo fanden, auf drei Etagen in der Galerie des Ulmer IT-Unternehmens ScanPlus in der Wissenschaftsstadt zu sehen und zwar vom 21. August bis 24. Oktober.

Christoph Lingg 
„Stillgelegt – Industrieruinen im Osten“
ScanPlus, Lise-Meitner-Str. 5, 89081 Ulm
Geöffnet w
erktags von 9 - 17 Uhr

Vernissage Donnerstag, 21. August, 19 Uhr
Aufgelegt wird von den DJs der renommierten „Bleepgeeks“-Reihe

Schon jetzt wollen wir darauf hinweisen, dass es im direkten Zusammenhang mit der Ausstellung „Stillgelegt“ am Donnerstag, den 9. Oktober, um 19 Uhr als vorgezogene Finissage eine Lesung mit Serhij Zhadan, dem „ukrainischen Rimbaud“, geben wird. Der populäre Suhrkamp-Autor führt mit Romanen und Prosabänden wie „Anarchy in the UKR“ oder „Depeche Mode“ mitten hinein in die Anarchie der postsowjetischen Umbruchszeit und hat für das bemerkenswerte Buch zu Linggs Ausstellung einen Begleittext geschrieben. Seinen Lesungen eilt der Ruf der außergewöhnlichen Performance voraus.