Wider den Sensemann

Halloween-Stimmung im Science Park auf dem Eselsberg: Bertram Bartl präsentiert bei ScanPlus seine "Totentänze". Zur Vernissage gab es eine multimediale Performance

BURKHARD MEIER-GROLMAN

Schon ungewöhnlich, was sich da droben auf dem Oberen Eselsberg im Science Park bei der Firma ScanPlus abspielte. Das gewiss nicht einfach zu
handhabende Thema Tod erfuhr hier unter dem Rubrum multimediale Kunst eine derart opulente Aufarbeitung, dass man nur den Hut ziehen kann vor den Initiatoren und Organisatoren.

Der Ulmer Künstler Bertram Bartl hatte sich für diese bemerkenswerte
Vernissage mächtig ins Zeug gelegt. Nicht nur, dass er sämtliche seiner
bis zu drei auf vier Meter messenden "Totentanz"-Bilder in die Lise-Meitner-Straße expediert hat, wo sie übrigens wirklich ein ideales
Domizil gefunden haben, nein, Bertram Bartl hat auch speziell für seine
erste große Ausstellung auf dem Eselsberg eine technisch höchst aufwendige
Tiefdruck-Folge seiner zunächst auf Papier entstandenen und dann
zusätzlich im Computer behandelten Totentanz-Figuren aufgelegt. Außerdem
präsentierte er an diesem Abend noch ein nagelneues, zweihundert Seiten
starkes Buch, worin er zeichnerisch seine zumindest zeitlich langen
"Schritte zum Totentanz" vorführt und erklärt.

Dass der Knochenmann und seine Spießgesellen, die auf Bartls Bildern so
rüde mit Mädchen, Metzgern und Soldaten umspringen, noch andere
faszinieren, hat sich schnell gezeigt. Denn Udo Eberl und sein
künstlerisch tätiges Multimedia-Team mit Katrin Jedon, Pauline Reibell,
Jens Döring und Friedrich Glorian waren sich bald einig, doch den Versuch
zu wagen, die in Bartls Großformaten schon vorgefundene unglaubliche
Lebendigkeit und Expressivität mittels einer eigens entwickelten
Kunst-Performance noch zu übertrumpfen. Was, wenn man von den
Beifallskundgebungen bei der Vernissage ausgeht, auch gelungen ist.

Tatsächlich hat das Multimedia-Team mächtig gezaubert: Sanfte fernöstlich
und auch mal orientalisch angehauchte Klangwolken samt Glockengeläut,
Kerzenschein und Menetekel-Schriftzeichen an der Diawand verbreiteten
Friedhofsromantik, dann als Kontrapunkt ein fürchterlich tosendes
Klanggewitter mit schrillen schrägen elektronisch erzeugten Tonfolgen und
Dissonanzen, Udo Eberls immer wieder litaneiartig vorgetragene wollüstige
und wüste Beschimpfungen des Gevatters Tod, dazu Pauline Reibells ziemlich
verführerischer und gleichzeitig sehr anrührender tänzerischer Flirt mit
dem Treppengeländer.

Diese Vierzig-Minuten-Totentanz-Performance war alles in einem:
Halloween-Partystimmung machte sich breit, Salzburger Jedermann-Wehklagen
war öfters zu hören, die legendären Jazz-und Lyrik-Seancen der späten
fünfziger Jahre kamen zurück, Hamlets Geist schwebte kurz vorbei, Klaus
Kinski war nicht weit, und immer wieder dieser böse und hässliche
Sensenmann, der uns allen ans Leder will. Wie gesagt, Totentänze auf dem
Oberen Eselsberg bis zum Abwinken!

INFO

Bertram Bartls Totentänze bis 4. Januar bei ScanPlus (Lise-Meitner-Str. 5):

Mo-Fr 8-17 Uhr.

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Zusätzliche Informationen zum Artikel:

- Das Bild zum Artikel kann im Internet betrachtet werden.
- Quelle: http://www.suedwest-aktiv.de/region/swp_ulm/ulmer_kulturspiegel/3182806/artikel.php

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