scanplus galerie: Lesung mit Tiefenschärfe

Die scanplus galerie ist zwar immer wieder für Überraschungen in den Ausstellungen und bei den Vernissagen gut, eine Lesung fand allerdings erst zum zweiten Mal in den Räumen im Ulmer Science Park statt. Nach Serhij Zhadan, dem ukrainischen Star-Autor, las nun auch die Ulmer Lyrikerin Christine Langer neue Texte. So neu, dass sie nicht in Buchform, sondern als Handout an die Besucher dieses besonderen Abends verteilt wurden. Dieser war letztendlich weit mehr als die übliche Lesung. Die interessierte Kunst- und Kultur-Karawane bewegte sich über die drei Stockwerke nach oben und für nahezu jede Arbeit der Künstlerin Johanna Staniczek hatte Christine Langer einen Text geschrieben.

Bereits im Juli hatte sich Christine Langer nach einem Treffen mit der Berliner Künstlerin Johanna Staniczek dazu entschlossen, zu einigen der Arbeiten Texte zu verfassen. Wie sehr sie sich in die Bilder vertiefen und fallen lassen würde, das war ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Aus der einen geplanten Begehung wurden mehrere Besuche und Sitzungen in der Sommerhitze des Monats August. Oftmals saß die Dichterin über Stunden hinweg vor einer Arbeit oder einer Bild-Gruppe, konzentriert und bisweilen von der Betriebsamkeit eines IT-Unternehmens umspült. Die Besonderheit ihrer Herangehensweise: Sie ließ sich allein von ihrem lyrischen Instinkt und ihrer Wachheit leiten, informierte sich vor ihren ersten Notizen und dem Schreiben nicht über die Titel oder gar die Hintergründe der Arbeiten

Umso erstaunlicher, was ein sehr aufmerksames und hoch interessiertes Publikum bei der bewegten Lesung mit dem Titel "Gespiegelte Perspektiven" von Christine Langer erleben durfte. Die längst im ganzen deutschsprachigen Raum geschätzte Lyrikerin überraschte mit mehr als 30 neuen Texten, die so sehr den Kern der Arbeiten trafen, dass neben den gebannten Zuhörerinnen und Zuhörern vor allem auch die Schöpferin dieser Bildwelten überrascht wurde. Rasch entwickelte sich aus der reinen Lesung ein Dialog. Johanna Staniczek sprach über ihren technischen und kunsthistorischen Ansatz, erzählte die Storys hinter den Bildern und wunderte sich freudig, wie treffsicher Christine Langer bei so manchem Bild genau diese Geschichte dahinter erspürt hatte. Am Ende starker Beifall, so manch feuchtes Auge und der Ruf nach mehr solchen bewegten und bewegenden Lesungen mit Tiefgang.

 

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Details ansehen